Arbeitsgemeinschaften Gymnasialer Eltern in Baden-Württemberg

Schulfach Glück

 

Glück und Schule. Passt das zusammen? Wer Glück und Schule verbinden möchte, geht  das Risiko ein, ausgelacht und verspottet zu werden, großmütige Zeitgenossen belassen es vielleicht auch nur bei einem Stirnrunzeln. Wer von Ihnen verbindet diese beiden Begriffe mühelos?

 

Glücksmomente in deutschen Schulen beschränken sich bei  vielen Schülern nur auf wenige Tage. Auf den ersten Schultag, da gibt es die Zuckertüte und tolle Geschenke.

Auf den letzten Schultag, denn dann ist endlich alles vorbei. Glücksmomente erleben die Kinder vor allem dann, wenn der Unterricht ausfällt.

Dabei hat uns schon Aristoteles gelehrt, dass das letzte Ziel des menschlichen Handelns Glück ist. Auch Bundespräsident Horst Köhler hat seine „Berliner Rede" 2007 unter das Leitthema „Das Streben der Menschen nach Glück verändert die Welt" gestellt.

Ja aber, werden die Kritiker einwenden, je mehr der Mensch nach Glück strebt, desto mehr verjagt er es auch. Es ist ein individuell empfundenes Hochgefühl, meist nur von kurzer Dauer und lediglich Begleitumstand, der willentlich nicht herbeigeführt werden kann. Glücksversprechen gelten deshalb allgemein als unredlich und gefährlich. Der staatliche Wohlfühlgedanke soll sich deshalb vorwiegend auf die materielle Versorgung beziehen. Tatsächlich ist es in den westlichen Industrieländern in den letzten Jahrzehnten gelungen, ein einzigartiges Wirtschaftswachstum zu verbuchen, aber keine Zunahme des Wohlbefindens der Menschen. Das Bruttoinlandsprodukt hat als Indikator für Wohlstand längst ausgedient. Mehr Geld macht uns schlicht nicht glücklicher, aber weniger offensichtlich unglücklicher. Die hedonistische Tretmühle, also die Hoffnung, durch materielle Güter glücklicher zu werden, hat sogar schon unsere Kinder und Jugendlichen erfasst. Die grenzenlose Befriedigung von Bedürfnissen  ist keineswegs neu, denn in der griechischen Antike galt schon unter den Sophisten die Parole „Wer richtig leben will, muss seine Begierden so groß wie möglich werden lassen und darf sie nicht einzwängen." Das antike Modell, das ebenso unerklärlich und untauglich war wie unser heutiges grenzenloses Konsumstreben, findet seinen evolutorischen Ursprung im Luststreben der Menschen. Die primitive Emotion Gier wird zum Motor unseres Handelns, weil sie unglaubliche Lust erzeugen kann. In dieser Beziehung verhalten wir uns wie alle anderen Lebewesen, die dazu neigen, ihre Lust grenzenlos zu befriedigen. In Tierversuchen hat man Mäusen Elektroden in ihr Lustzentrum implantiert. Durch Stromzufuhr konnte man dadurch in ihnen Lustgefühle erwecken. Mit entsprechender Konditionierung der Tiere gelang es, dass sie selbst den Schalter bedienen konnten, um den elektrischen Impuls auszulösen. In der Folge betätigten die Mäuse  andauernd den Schalter, um für sich immer wieder neue Lust zu erzeugen. Sogar solange und so oft, dass sie darüber das Fressen schlichtweg vergaßen und verhungern mussten. Im Laufe der menschlichen Geschichte haben wir zum Glück Denken gelernt, das die meisten von uns befähigt mit den angeborenen primären Antrieben willentlich umzugehen. Trotzdem stirbt das alte Modell des Homo Oekonomikus, der wirtschaftlich denkende Mensch, mit den knappen Ressourcen sorgfältig umgeht, langsam aus. Wir glauben, dass wir wirtschaftlich handeln, aber eigentlich reagieren wir nur auf irreführende Marktstrategien, die uns materielle und sinnliche Bedürfnisse befriedigen und zu Sozialprestige und Macht verhelfen sollen. Durch gezielte Täuschung gelingt es, die angeborenen Grundbedürfnisse so zu aktivieren, dass wir oftmals nur noch intuitiv und spontan reagieren können. Hunger, sexuelles Begehren bzw. Bindung, Angst und der Wunsch nach Anerkennung oder Neugier entwickeln dann nicht mehr zu kontrollierende Antriebsmechanismen. Daniel Kahneman, ein israelisch-amerikanischer Psychologe, der 2002 zusammen mit Vernon Smith den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, hat 1979 mit Amos Tversky die dazu passende Theorie, die"Prospekt theorie: Decision Making Under Risk", entwickelt.
Irgendwie scheint es gelungen zu sein, die zeitliche Lücke zwischen dem Reiz und der darauf folgenden Reaktion zu schließen. Dabei war das auf die Belohnung warten können der entscheidende evolutorische Vorteil der Menschen. Nur durch den zeitlichen Aufschub der direkten Bedürfnisbefriedigung war der Bau von Geräten und Waffen überhaupt möglich. Dieses Vermögen, warten zu können und Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen um den Preis einer späteren höheren Belohnung, scheint in unserer schnelllebigen Zeit verloren zu gehen. Dabei ist gerade dieses Persönlichkeitsmerkmal so entscheidend für ein erfülltes und erfolgreiches Leben.

Neben dem angeborenen Luststreben der Menschen sind sie durch ihren Verstand aber auch in der Lage, sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens als Schlüssel zum Glück zu machen.

Glück und Sinn passen aber nur zusammen, wenn der Sinn nicht gegeben, sondern von jedem selbst gefunden wird. Die dazu gehörende Frage lautet: Wozu lebe ich und was kann ich bewirken?

Bei der freudvollen Suche nach Sinn und dem Erfahren von Menschlichkeit ist die Familie nach wie vor der erste und entscheidende Ort. Achtung, Wärme und Sorge und die Fülle des Lebens werden im authentischen, einfühlsamen und nicht wertenden Dialog mit den Eltern gelernt. Die Familie hat in dieser Hinsicht eine herausragende und unbestreitbare Erziehungsfunktion, auch wenn sie sich oftmals aus ihren traditionellen Strukturen und Werten zu verabschieden scheint.

Allerdings sind neben die Familien andere Erziehungsinstanzen und Einflussfaktoren getreten, die eigennützige und materielle Absichten verfolgen, und damit Fehlleitungen der Jugendlichen in Bezug auf den gültigen Wertekanon unvermeidbar sind. Um dem zu begegnen, müssen wir den Jugendlichen helfen, sich selbst und die Gemeinschaft zu entdecken. Durch die Selbstvergessenheit in der Liebe zu einer Person oder einer Sache sieht Viktor E. Frankl, der Arzt und Psychotherapeut, eine weitere Möglichkeit, Glück zu empfinden. Nennen wir es „Flow", wie der Bestsellerautor Mihaly Csikszentmihalyi oder exzellentes Tun wie Aristoteles. Es kommt im Wesentlichen darauf an, sich in Selbstvergessenheit, oder sagen wir besser „Ichvergessenheit" zu üben.

Viktor E. Frankl sieht neben der Wirksamkeit und der Kontemplation auch im Bewältigen von tatsächlichen Herausforderungen einen zentralen Ansatz, um den Sinn des Lebens zu erfahren. Die Krise ist nicht nur im Sinne der Kunst eine Chance zur persönlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung. In einer Zeit, in der Bad Banks gegründet werden, in der Geiz geil und der Ehrliche der Dumme ist, darf die Schule nicht nur Ort individueller Belehrung, Beratung, Prüfung und Beurteilung sein, sondern muss sich als Begegnungsstätte junger Menschen zur Vorbereitung für die Fülle des Lebens verstehen. Dazu gehören auch Einstellungswerte, also die Fähigkeit, durchzuhalten und gegen innere Widerstände anzukämpfen und mühsame, aber vielleicht sinnvolle Wege zu gehen.

Die Forderung, jungen Menschen solche Wege und Bedingungen für ein gelingendes, ja glückliches Leben in der Schule kognitiv zu vermitteln und sie bewirken, beachten und bewältigen zu lassen , klingt exotisch.

Ich habe deshalb mein Konzept damals zunächst einem engen Freundeskreis und dann einer kleinen Gruppe von Experten vorgestellt. Bernhard Peters, ehemaliger Hockeynationaltrainer, der mehrfach mit der Hockey-Nationalmannschaft Weltmeister wurde und jetzt als Sportdirektor mit der TSG1899 Hoffenheim Herbstmeister in der Fußballbundesliga wurde, war von dem Projekt begeistert. Prof. Dr. Wolfgang Knörzer von der Pädagogischen Hochschule sah die Chance einer Verknüpfung von wissenschaftlicher Forschung und schulischer Umsetzung und bot mir spontan seine persönliche und institutionelle Unterstützung an. Felix Kurz, ehemaliger Spiegelredakteur und Kommunikationsberater, versprach seine Hilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit.

Nachdem mein Kollegium erkannte, dass das Konzept unserem Leitbild, nämlich der Förderung der psychischen und physischen Gesundheit unserer Schüler und Lehrer entsprach, stimmte es zu und wir stellten einen entsprechenden Antrag beim Kultusministerium Baden-Württemberg.
Wir erhielten die Erlaubnis für die Einführung des Faches Glück, denn als Ergänzung zum traditionellen Angebot geht es in diesem Fach vor allem darum, die in den Bildungsplänen geforderte Lebenskompetenz und Lebensfreude auch im Schulalltag stärker zu realisieren. Diese Forderungen gehen schließlich auch auf den „Pädagogikpapst" Hartmut von Hentig zurück.

Die Jugendlichen sollen sich im Unterricht als Einheit von Körper, Geist und Seele verstehen und erleben. Das ist im Kern nichts anderes, als was die erste Internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung am 21. November 1986 als sogenannte „Ottawa-Charta" verabschiedet hat: „Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. verändern können".

Konkret haben wir uns mit einem Team von Spezialisten, Wissenschaftlern, Psychologen, Schauspielern, Trainern und Pädagogen auf den Weg gemacht, Zuversicht, Vertrauen, Verantwortung, Leistungs- und Lebensfreude als konkrete Lernziele zu formulieren und durch erlebnispädagogische Konzepte zu realisieren. Wir verfolgen damit keinen kuschelpädagogischen Ansatz, der alles und jeden lobt. Junge Menschen haben ein untrügliches Gespür für ehrliche Wertschätzung und konstruktive Kritik. Unser Ziel ist es, dass die Schüler selbst bestimmt und selbst wirksam den Sinn ihrer Handlungen in heiterer Gelassenheit erkennen und den Genuss des Augenblicks erleben. Deshalb gehört zu jedem körperlich oder emotional erfahrenen Erlebnis auch die gedankliche Vor- und Nachbetrachtung. Mündlich und in ihren Heften reflektieren die Schüler ihre Erlebnisse.   

Der Lehrplan ist auf zwei Jahre ausgerichtet und gliedert sich in 10 Einheiten von jeweils ungefähr 14 bis 16 Stunden. Normalerweise werden 2 Stunden pro Woche angeboten, aber auch mehrere zusammenhängende Stunden sind bei Bedarf möglich.
 
In der Einheit Freude am Leben helfen Selbsterfahrungen und Gruppenerlebnisse den Jugendlichen, ihr Eigen- und Fremdbild zu entdecken und zu vergleichen. Im geschützten Rahmen einer vertrauens- und respektvollen Gemeinschaft beschreiben sie z. B. über Motive von ausgewählten Postkarten die Stärken ihres Gegenübers (Baum =  Stärke usw.). Die Offenbarung vermeintlicher Schwächen, die von der Gruppe positiv gedeutet werden, geben ihnen Zuversicht und Selbstvertrauen. Aus z. B.:  „Ich bin zu neugierig"  wird „du interessierst dich für andere" oder aus „ich traue mich nicht, anderen die Meinung zu sagen" wird „du bist sehr rücksichtsvoll" und aus „ich bin träge" wird vielleicht, „du denkst auch an dich und deine Entspannung". Diese Formen von Wertschätzung führen auch zu gegenseitigem Respekt und Anerkennung.

In angeleiteten Partnerinterviews und auf der Suche nach Familienschätzen berichten sie von den Kraftquellen ihrer eigenen Familie. Migranten entdecken so z.B., über welche riesigen Potenziale ihre Familien verfügen, ohne die Flucht, Vertreibung u.ä. gar nicht zu bewältigen gewesen wären.  Sie lernen auf diese Art, ihre Eltern wertzuschätzen und zu lieben. 

Eine Übung, „die Warme Dusche", lässt auf einen mit dem Rücken zur Klasse gewandten Jugendlichen positive Assoziationen zu seiner Person, also Komplimente, herunterregnen. Gemeinschaft wird so als Quelle des eigenen Wohlbefindens empfunden und geschätzt. Ein Schüler ließ es sich nicht nehmen, auf diese Art gleich zweimal zu duschen. Durch solche Übungen entdecken sie auch, dass die Dankbarkeit ein erlebbares Gefühl ist und zum Glück beitragen kann. Die Psychologin Sonja Lyubomirsky hat die positiven Wirkungen von Dankbarkeit wissenschaftlich belegt.

Durch Fantasiereisen entdecken sie neue Perspektiven.

Auf imaginären Plattformen, die im Gleichgewicht gehalten werden müssen, erleben sie körperlich, wie Veränderungen einzelner immer die ganze Gruppe betreffen. Diese Übung, wie auch viele andere, sind dem systemisch konstruktivistischen  Ansatz entnommen.

Freude an der Leistung wird oft in Verbindung mit Sport gebracht.
Tatsächlich gehören dynamische Zielorientierungen in den Sportwissenschaften längst zum mentalen Trainingsprogramm.

Selbst erstellte Wertehierarchien tragen nicht nur dazu bei, ein individuelles und kollektives Werteverständnis zu erzeugen, sondern leiten auch die Zielfindung für Haltungs- und die dazugehörigen Handlungszielen ein. Solche Übungen tragen zur Sinnfindung bei.

Ich erinnere mich gerne an die Konzentrationsübungen von Prof. Knörzer, der u.a. Spitzensportler auf Peking vorbereitet hat. Im Ergebnis konnten die Schüler, nachdem sie sich auf ihre Körpermitte, den Harapunkt, konzentrierten, nicht nur den Basketballkorb besser treffen, sondern wendeten das Rezept auch im Schulalltag, z.B. in der nächsten Mathearbeit an.

Viele Schülerinnen und Schüler haben ihre Ziele konkret spürbar machen können und sind zur Verstärkung und Verankerung anschließend unter dem Beifall der Mitschüler über einen Balken balanciert. Dadurch konnten sie die Gefühle bei Zielerreichung vorweg nehmen und sich so um ein vielfaches stärker motivieren. Das wirkte viel stärker und nachhaltiger, als wenn sie nur verbal das Ziel formulierten, wie z.B. ich will„Mittlere Reife" machen.

Mit Mitteln der Theaterpädagogik werden ihnen die Wechselwirkungen zwischen körperlicher Wahrnehmung, Emotion und Kognition deutlich. Körperlicher Ausdruck macht Emotionen deutlich, aber auch beeinflussbar.

In der Unterrichtseinheit „Der Körper in Bewegung" spielt im Gegensatz zum Sportunterricht der Leistungsgedanke nur eine untergeordnete Rolle. Es erschien uns notwendig, Schüler zu begeistern, die ihrem eigenen Körper auf Grund vermeintlicher oder tatsächlicher Defizite kritisch gegenüberstehen. Körperliche Übungen stärken das Selbstbewusstsein und die Zuversicht. Durch die Verstärkung und den Beifall der Gruppe  verschwanden Ängste, wurden sie motivierter und gewannen an Selbstvertrauen.

Schüler erfahren auch z.B.  an der Kletterwand, dass Verantwortung und Vertrauen zwei Seiten einer Medaille sind. Aber auch viele andere Dinge wurden dort entdeckt. Ein Downhillfahrer bemerkte zum ersten Mal, dass es Adrenalin auch ohne Risiko gibt.

Auf einer menschlichen Hängebrücke, die aus 8 Rundhölzern besteht und bei dem jedes Rundholz von 2 Schülern mit  bloßen Händen gehalten wird, balancieren die Schüler von einem Ende zum anderen. Der schwerste, Eduard, wog 120 Kilo und empfand ein unglaubliches Glücksgefühl, dass alle anderen ihn im wahrsten Sinne des Wortes tragen und ertragen konnten. Ein anderer Schüler, Sebastian, war allein schon darüber froh, dass die anderen durchhielten und nicht wegrannten, als er über die Balken lief. Entscheidend bei diesen Übungen ist die gründliche Vor- und Nachbereitung und die Einbettung in den Gesamtkontext.

In der ernährungspädagogischen Einheit erwerben die Schüler nicht nur theoretische Grundsätze gesunder Ernährung. sondern erleben auf dem Bauernhof und im Bioladen, wie eng Wohlbefinden und gute Lebensmittel zusammen gehören. Ich glaube, einige Schüler haben noch nie Tomaten und Paprika in der Natur gesehen und vor allem auch nicht ernten und danach gleich kosten dürfen.
Der Geschmackstest mit verbundenen Augen machte die Unterschiede zu den Discountprodukten überdeutlich.

Soziales Engagement außerhalb der Schule lässt sie zusätzlich die Fülle des Lebens erfahren. Gleichzeitig soll ihnen aber auch vermittelt werden, dass zur Fülle des Lebens das gesamte Spektrum von Freude und Trauer, von Erfolg und Misserfolg und von Glück und Unglück gehört. Sie sollen auch erfahren, dass nicht jede Krise eine Katastrophe ist und Frustrationstoleranz durch mentales Training, aber auch durch analytische Fähigkeiten entwickelt werden kann. Sie erleben mit Übungen zur Achtsamkeit das Glück des Augenblicks.

Natürlich werden Sie einwenden, dass es diese und alle anderen Maßnahmen  auch anderswo gibt. Der Unterschied liegt darin, dass unsere Schüler Selbsterfahrung, mentales Training, Bewegungs-, Ernährungs- und Theaterpädagogik als Bausteine eines ganzheitlichen körperlichen und seelischen Wohlbefindens erleben. Außerdem  ist es wichtig, die Ganzheitlichkeit und die Reflexion nicht aus dem Auge zu verlieren, deswegen nützen Einzelmaßnahmen und Projekte wenig, weil der Gesamtkontext und die Nachhaltigkeit nicht gegeben sind. Wenn der ehemalige Verbraucherminister und jetzige Ministerpräsident Seehofer mit einem Obstkorb in die Schule kommt, ist das sicherlich eine schönes Fotomotiv und erinnert daran, wie wichtig Obst ist, aber was hilft das auf Dauer?

 Die positiven Rückmeldungen der Eltern und Schüler zeigen uns, dass der eingeschlagene Weg in die richtige Richtung führt. Auch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen des österreichischen OECD-Beauftragten Prof. Gehmacher belegen nicht nur die Zunahme des subjektiven Wohlbefindens der Jugendlichen, sondern auch eine signifikante Persönlichkeitsstärkung. Der Kohärenzsinn, also das Gefühl Sinn zu finden, sich bedeutsam und wirksam zu fühlen, sich etwas zuzutrauen und eigene Probleme in den Griff zu bekommen, wurde im Vergleich zu einer Kontrollgruppe deutlich gesteigert.

Auch die Studie des Pädagogikprofessors Wolfgang Knörzer belegt zudem,  dass die Schüler im Vergleich zum Beginn und zu einer Kontrollgruppe in Bezug auf ihr Kontrollverhalten, also das, was sie wollen bzw. nicht wollen, beachtliche Zuwächse verzeichnen konnten.

Wir wissen, dass diese Erfolge eng mit der Kompetenz und dem idealistischen Einsatz der Experten verknüpft sind und deshalb das Konzept nicht unbesehen auf andere Schulen übertragbar ist. Trotzdem ist der Anfang gemacht. Es freut mich, dass die Lehrerverbände, die GEW, der Philologenverband und die Berufsschullehrerverbände den Gedanken aufgreifen. Genauso freut mich das zunehmende Interesse der Lehrerseminare. Wir werden ohnehin in nächster Zeit auf der Grundlage unserer Erfahrungen Lehrern Fort- und Weiterbildungen in der Pädagogischen Hochschule anbieten.

Im zweiten Schulhalbjahr werden wir mit Unterstützung der Sparkassenstiftung Starkenburg in Hessen für zunächst 2 Hauptschulen und deren 9. Klassen eine Testphase unseres Projektes anbieten.

In einem Privatgymnasium in Weinheim haben wir in diesem Schuljahr das Fach bei Fünftklässlern begonnen.

Im neuen Schuljahr wird in der Steiermark in Österreich eine Pilotprojekt für alle Schularten durchgeführt.

In diesem Sinne macht Glück Schule.


Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 08. Mai 2009 um 20:54 Uhr

 

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